31. Januar 2026 - Beiträge - Alle

Demokratieabend in Nellingen: LandFrauen zeigen, wie Politik nah am Menschen gelingt

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Demokratieabend in Nellingen: LandFrauen zeigen, wie Politik nah am Menschen gelingt

Rund 200 Besucherinnen und Besucher füllten am 29. Januar die Halle in Nellingen zum Start des Demokratieabends „Politik nah am Menschen“. Bemerkenswert war nicht nur die Zahl, sondern auch die Herkunft der Frauen: aus dem gesamten Alb-Donau-Kreis, von Obermarchtal bis Langenau bis in den Raum Ulm – teils auch darüber hinaus. „Wer da war, wollte wirklich da sein“, brachte es Brigitte Huober als Gastgeberin des Abends auf den Punkt.

Veranstaltet wurde der Demokratieabend gemeinsam von den drei LandFrauen-Kreisverbänden Ulm, Ehingen und Blaubeuren. Mit über 5.000 Mitgliedern allein im Alb-Donau-Kreis sind sie eine starke politische Interessenvertretung von Frauen, Familien und dem Leben auf dem Land. Ihr Leitmotiv: „Du machst den Unterschied. Dein Handeln ist Politik.“

„Wir wollten Politik nicht erklären, sondern erlebbar machen“, sagte Sabine Scherb. „Nah an den Menschen, nah an den echten Fragen.“

Ein zentrales Element des Abends waren Fallbeispiele aus dem Alltag, die auf einer vorab durchgeführten Umfrage basierten. Bildung, Gesundheitsversorgung, Mobilität, Bürokratieabbau oder Infrastruktur für die Erwerbstätigkeit – Themen, die viele Frauen unmittelbar betreffen. „Die Rückmeldungen waren enorm“, betonte Renate Wolf. „Das hat gezeigt, wie groß das Interesse ist und wie treffsicher LandFrauen benennen, wo es wirklich hakt.“

Auf dem Podium standen Kandidatinnen und Kandidaten aller im Landtag vertretenen Parteien. Die Einladungen seien schnell angenommen worden – ein Zeichen der Wertschätzung. „Die Politik weiß: Wenn LandFrauen einladen, kommt die Basis“, so Karin Rau.

In den Beiträgen der Kandidatinnen und Kandidaten zeigten sich sowohl unterschiedliche Schwerpunkte als auch gemeinsame Linien. Einig waren sich alle in einem zentralen Punkt: Hauswirtschaftliche Kenntnisse, Alltagskompetenz und Ernährungswissen sind die Grundlage einer gesunden Bevölkerung. Bildung wurde dabei nicht als Randthema verstanden, sondern als langfristige gesellschaftliche Investition.

Für die Grünen sprach Michael Joukov, dessen politisches Steckenpferd der öffentliche Nahverkehr ist. Er machte deutlich, dass Beharrlichkeit für ihn entscheidend sei: Wenn ihm ein Thema wichtig ist, „beißt er sich durch“, bis es gut geregelt ist. Eindruck hinterließ auch sein persönlicher Ansatz, bewusst Zeit einzuplanen, um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Mit einem augenzwinkernden Vergleich würdigte er die Arbeit der LandFrauen: „Luther hatte 92 Thesen – die LandFrauen auch. Und jede einzelne ist berechtigt.“

Claudia Grab-Kroll ordnete ein: „Wir vertreten nicht ein Einzelthema, sondern das ganze Leben auf dem Land. Genau deshalb kommen diese 92 Forderungen zustande.“

Für die SPD betonte Lisa Späth ihre volle Zustimmung zu den Forderungen der LandFrauen: „Die unterschreibe ich sofort.“ Besonders deutlich positionierte sie sich beim Thema Bildung. Sie sprach sich klar für verbindliche Ernährungsbildung und Alltagskompetenz an Schulen aus – über alle Schularten und Klassenstufen hinweg – und forderte eine konsequente Umsetzung inklusive Schulküchen. Ernährungswissen sei kein Zusatz, sondern ein grundlegender Bestandteil von Gesundheitsvorsorge und Selbstständigkeit.

Von der FDP hob Uwe Schwarz die Bedeutung von Wertschätzung für alle hervor, die Verantwortung tragen und „schaffen“. Als Handwerksmeister brachte er die Perspektive kleiner und mittlerer Betriebe ein und machte deutlich, wie wichtig verlässliche politische Rahmenbedingungen insbesondere für Unternehmen bis 50 Mitarbeitende sind.

Die AfD war ebenfalls vertreten. Ihr Kandidat betonte seine starke regionale Verwurzelung und stellte den Erhalt bestehender Strukturen in den Mittelpunkt seines politischen Selbstverständnisses.

Zum Abschluss sprach Manuel Hagel (CDU), der bei der Vorstellung mit den Worten auf die Bühne gebeten wurde: „Die Person, die bisher am meisten junge Menschen und auch Frauen in politisches Engagement und in politische Ämter gebracht hat.“ Hagel überzeugte mit hoher fachlicher Tiefe, strukturiertem Denken und pragmatischem Blick. Als seinen zentralen Maßstab nannte er Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Daraus leite sich für ihn ab, Politik so zu gestalten, dass sie Freiheit ermöglicht, ohne zu bevormunden – und Verantwortung mit Weitblick verbindet.

Deutlich wurde er auch beim Thema Bürokratie: Deutschland habe zu viele Verwaltungsstellen. Für den notwendigen Bürokratieabbau stellte Hagel ein klares Konzept mit Fokus auf Vereinfachung, Zuständigkeit und zügige Umsetzung vor. Politik müsse Rahmen setzen, die Handlungsfähigkeit ermöglichen – nicht lähmen. Viele Besucherinnen nahmen ihn als „echten Schaffer“ wahr, der komplexe Themen mit einem klaren Plan zur Umsetzung verbindet.

Am Ende des Abends stand ein klares Fazit: Demokratie lebt vom Mitmachen. Die volle Halle, die intensive Beteiligung und der respektvolle Austausch bestätigten die LandFrauen in ihrem Engagement. Oder, wie es eine der Vorsitzenden formulierte: „LandFrauen schauen hin, fragen nach und bleiben dran.“

Der Demokratieabend in Nellingen zeigte eindrucksvoll, wie politische Bildung, Dialog und Selbstwirksamkeit im ländlichen Raum zusammenfinden können – nah am Menschen und mit spürbarer Wirkung.